
Vor diesem pinken Gebäude entlädt sich der Kulturkampf der politischen Lager
Die Welt
Konservative Staaten im Süden der USA wollen die republikanische Mehrheit im Supreme Court nutzen, um das Recht auf Abtreibung auszuhebeln. Im Zentrum steht Mississippi- Dort gibt es eine einzige Abtreibungsklinik im ganzen Bundesstaat. Unser Reporter war vor Ort.
Es ist Mittwochmorgen, vor acht Uhr. Mit voluminöser Stimme verkündet Coleman Boyd – rotes Kreuz auf blauer Schirmmütze, Umhängetasche, Kaffeebecher – seine Botschaften. Um sich noch mehr Gehör zu verschaffen, hat er einen Lautsprecher aufgebaut. Ein weiterer mobiler Lautsprecher baumelt am Bund seiner khakifarbenen Hose. Immer wieder ruft Boyd ins Mikrofon. Zuweilen dröhnen fromme Lieder aus beiden Boxen. Als ein Gegenüber ihm zuraunt, er möge doch bitte die Klappe halten, kontert Boyd: „Diese Worte brennen wie ein Feuer in meinem Herzen, in meinen Knochen. Ich kann sie nicht zurückhalten.“
Willkommen vor dem „Pink House“, einem einstöckigen Haus an der Schnellstraße 51 in Jackson, der Hauptstadt von Mississippi. Das Pink House ist die einzige Abtreibungsklinik in dem südlichen US-Bundesstaat, von der Fläche her fast so groß wie Griechenland. Coleman Boyd zählt zu einer Gruppe von meist älteren weißen Demonstranten, die sich hier fast täglich einfinden. Wann immer sich Autos dem Parkplatz nähern, recken sie Transparente, stoppen die Autos, reichen den Fahrerinnen Flugblätter durchs Fenster. Wenn die meist schwarzen Frauen auf dem Parkplatz ihre Autos verlassen, zum Pink House laufen, rufen sie ihnen „Sünde“ und „Mord“ zu, warnen vor einem Leben, das sie nie wieder glücklich machen wird. Ein paar Bibelsprüche gibt’s obendrauf.













