
Seenotrettung führt nicht zu mehr Migration
n-tv
Ein geläufiges Argument gegen Seenotrettung ist, dass diese nur noch mehr Migranten dazu verleiten würde, die gefährliche Überfahrt über das Mittelmeer anzutreten. Eine neue Studie sieht jedoch keinen Zusammenhang. Entscheidend seien andere Gründe.
Rettungsaktionen für Migranten, die auf dem Mittelmeer in Seenot geraten, ziehen einer Studie zufolge keine zusätzlichen Migranten nach sich. Bestimmende Faktoren für den Aufbruch von Migranten seien vielmehr sich verschlimmernde Konflikte, Naturkatastrophen und steigende Preise für Lebensmittel in der Heimat, heißt es in einer in "Scientific Reports" veröffentlichten Studie. Auch die Wettervorhersage spiele eine Rolle.
"Es gibt keine Verbindung zwischen lebensrettenden Aktionen im Meer und der Zahl der Migranten", sagte Julian Wucherpfenning von der Berliner Hertie School, einer der Ko-Autoren der Studie. "Rettungsaktionen retten vor allem Leben, aber sie ziehen keine zusätzlichen Migranten an", bekräftigte Ramona Rischke vom Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung.
Die Wissenschaftler analysierten Daten aus der Zeit von 2011 bis 2020 von der EU-Grenzschutzagentur Frontex, der libyschen und tunesischen Küstenwache, der Internationalen Organisation für Migration (IOM) und einer Nichtregierungsorganisation, die die Identität von Migranten ermittelt, die im Mittelmeer sterben. Aus diesen Daten entwickelten sie ein Modell, um die Faktoren für den Aufbruch von Migranten zu ermitteln.

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