Morricones letzte Geheimnisse
Die Welt
Für Giuseppe Tornatores Kinoklassiker „Cinema Paradiso“ hat Ennio Morricone 1988 die Musik geschrieben. Nun porträtiert der Regisseur seinen verstorbenen Komponisten in einem monumentalen Film. Dabei erzählt „Der Maestro“ noch eine zweite, viel interessantere Geschichte.
Ennio Morricone sagt: „Uns gehen die möglichen Kombinationen für Melodien aus.“ Er spielt mit seinen Regisseuren Schach. Er wendet strenge Zwölftonregeln auf den Schlager an. Er setzt die Kontrapunkte nach den Formeln der barocken Klassiker. Er ist der Mathematiker unter den Filmmusikern.
Giuseppe Tornatore, der dem Komponisten seines eigenen ersten großen Kinofilms von 1988, „Cinema Paradiso“, nun ein zweieinhalbstündiges Denkmal setzt, staunt über Morricones mathematische Musik. Und so erzählt „Ennio Morricone – Der Maestro“ nicht nur, wer dieser Maestro war. Die Liebe zu den Zahlen und zur Logik wird zum zweiten Leitmotiv des Films. Für Tornatore ist die Schönheit, die daraus erwächst, ein Wunder. Als wäre Musik nicht immer schon Mathematik gewesen. Jedenfalls seit der Antike, seit Pythagoras, spätestens seit der Renaissance, als an den ersten Universitäten in Italien noch beide Fächer eins waren.
