
Moderator sucht Frau: "Love Island" im Regierungsviertel
n-tv
Politik ist heute Reality-TV mit Haushaltsplan. Wer Aufmerksamkeit will, braucht kein Programm, sondern eine Kamera. Man punktet mit Likes statt Leitlinien. Nur dass in einem Fall die Quoten zählen und im anderen die Stimmen. Eine Analyse über Macht im Rampenlicht.
Politik und Showgeschäft, hört man oft, sind unzertrennlich miteinander verbunden. Das liegt in erster Linie daran, dass sich Politikgeschäft und Entertainmentbranche auf vielen signifikanten Ebenen überschneiden. Die Dynamiken, mit denen die dringend benötigte Aufmerksamkeit beim Souverän (im Fall von Politikern) oder Followern (bei Stars) am schnellsten erzeugt wird, sind identisch: Empörung, Polarisierung und radikale Thesen. Und die Krönung dieses Dreigestirns der Titelseitenkatalysatoren: Schlüpfrigkeit. Sex sells. Das funktioniert beim Insolvenzvermeidungspersonal aus dem Dschungelcamp genauso wie bei den Volksvertretern aus dem Big-Brother-Container der Macht, dem Bundestag.
Wenn Julia Klöckner, immerhin Präsidentin des Deutschen Bundestages, dieser Tage zu Protokoll gibt, Deutschland sei "der Puff Europas!", ist ihr die Hoheit über die Schlagzeilenrepublik sicher. Bei Influencerin Tara Tabitha wird es sogar noch handfester. Im Rahmen der Bildungsfernsehen-Offensive "Sommerhaus der Stars" halten sich diese Woche hartnäckige Gerüchte, sie hätte ihren Lebensunterhalt vor der Evolution zu Österreichs bekanntester Botschafterin seit Kaiserin Sissi als Escort-Girl erwirtschaftet.
Wenn es um Beischlaf-Romantik geht, bleibt es bei Politikern theoretisch. Bei Entertainern tauchen auch schon mal angeblich von verlorenen Laptops oder gehackten Smartphones gestohlene Sexfilmchen auf. Sogenannte nackte Tatsachen sind für Politiker ein Schritt zu weit in den Reichweiten-Sündenpfuhl. Wobei, insbesondere in dieser Legislatur denkt man ja bei einigen Bundestags-Mandatsträgern zuweilen: So wenig Inhalt, wie da kommt, wäre der nächste logische Schritt OnlyFans.
