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Liederabend Tamara Wilson: Ariadne im Spielzeugland

Liederabend Tamara Wilson: Ariadne im Spielzeugland

Frankfurter Rundschau
Wednesday, January 05, 2022 08:32:40 PM UTC

Tamara Wilsons Liederabend im Frankfurter Opernhaus.

Auch der Liederabend mit Tamara Wilson war schon einmal geplant, für den Lockdown-Dezember 2020, als sich kein Mensch vorstellen konnte, dass im Januar 2022 die Reihen im Frankfurter Opernhaus wieder dermaßen schütter besetzt sein würden. Jetzt trifft es sich, dass die amerikanische Sopranistin dieser Tage die Ariadne für die wenigen Glücklichen an der viertelvollen Bayerischen Staatsoper München singen wird und zuvor in Frankfurt Station machen konnte. Am Klavier die Frankfurter Repetitorin Anne Larlee als feinsinnige Kumpanin für ein munteres, geradezu antiresignatives Programm.

Tamara Wilsons auch in höchsten Höhen gleißend klare Stimme ist für übergroße US-amerikanische Opernhäuser wie gemacht, umso bewunderungswürdiger, wie sie die Durchschlagskraft zu dosieren weiß und so ganz weich und sanft durch das „Dämmergrau in der Liebe Land in ein blaues, mildes Licht“ vordringt, denn auch Richard Strauss hat sich in den Programm-Mix geschoben. Er beginnt mit einem spätromantischen Block – Hugo Wolf, Strauss und Erich Wolfgang Korngold, aber eigenwillig eröffnet durch „Nocturne“ des recht vergessenen Österreichers Joseph Marx. Das blendende Deutsch Wilsons dokumentiert ihre teils schon verwirklichten Wagner-Interessen. Der Perfektionismus amerikanischer Sängerinnen zeigt sich aber auch an den unwagnerisch natürlichen Auslauten.

Weitgehend englisch-amerikanisch das übrige Programm, ein Programm aus dem (scheinbar) leichteren Fach, in dem die große Stimme in den richtigen Momenten doch wunderbar vorführte, was eine Harke ist. Das Hochdramatische, gepflegt eingesetzt, half sowohl in den Liedern von Amy Beach (1867-1957) und den Ausschnitten aus Victor Herberts Operette „Babes in Toyland“ (1903, man konnte direkt neugierig werden) als auch im Zeitgenössischen nach der Pause. Hier übersprang sie die angekündigte György-Ligeti-Nummer („Der Sommer“, das wäre in diesen Tagen auch irgendwo: provokativ) und bot „Cowboy Songs“ von Libby Larsen (Jahrgang 1950), „These Strangers“ von Jake Heggie (Jahrgang 1961, der vor wenigen Wochen an diesem Ort als Pianist mit Jamie Barton zu erleben war und wirklich hoch im Kurs steht) und den „Weightless Dreams“ von James Kallembach (Jahrgang 1978). Letztere beide Liedgruppen in europäischer Erstaufführung und weitere schöne Belege dafür, dass die Liedproduktion lebt. Ähnlich wie Heggie und Barton, die neulich ihren Zyklus zu meistvermissten Dingen im Corona-Lockdown vorführten, arbeiteten Kallembach und Wilson mit den Aussagen von Astronautinnen, die sich mit dem Träumen und Erdeanschauen im All befassten. Fragil wie die Welt von außen die zarten Lieder zu den „schwerelosen Träumen“, eigentlich nämlich kraftvoll, aber nicht unzerstörbar.

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