
Die Folksängerin Joan Baez: Wenn das Glück nicht gewesen wäre
Frankfurter Rundschau
Joan Baez kämpfte an der Seite von Martin Luther King. Ihre Beziehung zu Bob Dylan prägte die Popgeschichte nachhaltig.
In dem psychologisch tiefschürfenden Porträtfilm „I’m a Noise“ (2023) kann man der betagten Folksängerin Joan Baez dabei zusehen, wie sie sich fit macht für eine bevorstehende Tournee. Gymnastik und Tanz halten jung, und um den Strapazen einiger Dutzend Liveauftritte auch stimmlich gewachsen zu sein, nimmt sie zum Ende ihrer Jahrhundertkarriere noch einmal Gesangsunterricht. Alles eine Frage der Disziplin. Das einstige Vibrato ist dahin, den Powersopran der frühen Jahre bringt sie nicht mehr auf die Bühne. In der Kunst der Adaption jedoch, die weit über die Kompensation des verlorenen Stimmvolumens hinausgeht, erstrahlen Talent und Ausdrucksvermögen heller denn je. Das gönnerische Lob, gut gealtert zu sein, würde sie nonchalant zurückweisen. Tatsächlich führt sie vor, wie es bis ins hohe Alter gelingen kann, persönliche und künstlerische Integrität zu wahren.
