
Ein ahnungsloser US-Milliardär wirbelt den Transfermarkt durch
n-tv
Brasilien, Belgien, England, Frankreich: In dieser Viererkette spielt sich Fußballinvestor John Textor auf dem Transfermarkt selbst die Bälle zu. Untypisch hohe Ablösesummen und dubiose Leihgeschäfte wecken zwar das Interesse von Wettbewerbshütern - illegal sind die Tricksereien des Amerikaners aber nicht.
Sommerzeit, Transfermarktzeit: Während die Bundesligisten erst langsam ins Rollen kommen, was Neuzugänge und Verkäufe angeht, wirft in Frankreich ein Milliardär munter mit Millionen um sich. Bei Olympique Lyon jagt in dieser Woche ein Rekordtransfer den nächsten. Der US-Investor John Textor muss bei den vier internationalen Klubs, die er unter seinen Fittichen hat, aber tricksen, um nicht gegen das Financial Fairplay der UEFA und die Finanzaufsichten der jeweiligen Ligen zu verstoßen.
Lyon wünscht sich seit Jahren den Glanz aus Zeiten mit den Superstars Karim Benzema und Juninho zurück, der Serienmeister von 2002 bis 2008 ist längst eine graue Maus in der französischen Ligue 1 - im Titelrennen spielen die Lyonnais aktuell keine Rolle mehr. Textor will das mit seiner Investorengruppe Eagle Football Holdings ändern, der neben OL auch 40 Prozent der Anteile an Crystal Palace, 80 Prozent am RWD Molenbeek in Belgien und 90 Prozent an Botafogo in Brasilien gehören. Zwischen diesen Klubs hat der 58-Jährige mittlerweile ein Transfernetz gespannt.
Im letzten Sommer verpflichtete Molenbeek den damals 19-jährigen Ernest Nuamah für 25 Millionen Euro. Er war damit der teuerste Verkauf der dänischen Liga - Nordsjaelland war der abgebende Verein - und gleichzeitig der teuerste Einkauf in der belgischen Liga. Ein Spiel für Molenbeek absolvierte Nuamah aber nie. Er wurde gleich weiterverliehen an Lyon, die zu dieser Zeit im Fokus der französischen Finanzkontrollbehörde DNCG standen. Ein Jahr später wurde Nuamah für 28,5 Millionen Euro gekauft. Auch die Leihgeschäfte von Duje Caleta-Car, Said Benrahma und des Ex-Stuttgarters Orel Mangala wurden in fixe Transfers umgewandelt. Kosten: rund 40 Millionen Euro.
