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Vor 40 Jahren wollten polnische Generäle das Rad der Geschichte zurückdrehen

Vor 40 Jahren wollten polnische Generäle das Rad der Geschichte zurückdrehen

DW
Friday, December 10, 2021 06:42:33 PM UTC

Die polnische Gewerkschaft Solidarnosc stellte das Machtmonopol der Kommunisten in Frage und forderte Moskau heraus. Um den Zerfall des Systems aufzuhalten, verhängte General Wojciech Jaruzelski 1981 das Kriegsrecht.

Der 13. Dezember 1981 war in Warschau ein kalter und sonniger Sonntag, wie geschaffen für einen Stadtbummel. Wer allerdings am Morgen die Wohnung verließ, um in die Kirche zu gehen - es war der dritte Advent-, mit Kindern Schlittschuh zu laufen oder eine Zeitung zu kaufen, machte erschrocken auf dem Absatz kehrt. Durch die schneebedeckten Straßen der Hauptstadt fuhren statt Bussen Kampfpanzer. Bewaffnete Soldaten bewachten Regierungsgebäude und andere strategische Objekte. Milizionäre kontrollierten Autos und Passanten. Wer mit Flugblättern in der Tasche erwischt wurde, wurde abgeführt.     

Wer später zu Hause zum Telefon griff, um sich mit Freunden auszutauschen, musste feststellen, dass alle Verbindungen gekappt waren. Wer bei der Suche nach Informationen den Fernseher einschaltete, bekam einen General zu sehen - den Partei- und Regierungschef Wojciech Jaruzelski, der die Verhängung des "kriegerischen Zustands" verkündete. 

"Unser Vaterland steht am Rande des Abgrunds", sagte der General mit grimmiger Stimme. "Nicht Tage, sondern nur noch Stunden trennen uns von einer Katastrophe nationalen Ausmaßes", begründete Jaruzelski seine Entscheidung. Die Schuld für den drohenden Untergang Polens schob er der Oppositionsbewegung Solidarnosc in die Schuhe.

Seit der Streikwelle an der polnischen Ostsee-Küste im Sommer 1980, die zur Anerkennung der von Lech Walesa geleiteten Gewerkschaft Solidarnosc geführt hatte, war in Polen eine Art Doppelherrschaft entstanden. Die nationale Bewegung, die bald zehn Millionen Mitglieder zählte und aus ihrer antikommunistischen Einstellung keinen Hehl machte, baute mit Streiks und Protesten Schritt um Schritt ihre Macht aus. Publizisten nannten diese Zeit später "Karneval der Freiheit".  

Die geschwächte und zerstrittene Regierungspartei, die Polnische Vereinigte Arbeiterpartei (PVAP), wich immer wieder zurück, war aber nicht bereit, die Macht mit der Opposition zu teilen, geschweige denn, die Macht abzugeben. Lebensmittelmarken wie im Krieg sollten die Versorgungsengpässe mildern - vergebens. Die Bilder von Geschäften mit leeren Regalen und von Menschen, die Toilettenpapier als größte Trophäe nach Hause brachten, wurden zu traurigen Ikonen der damaligen Wirtschaftsmisere.  

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