
Berlinale-Gewinner İlker Çatak – „Meinungsfreiheit ist ein Immunsystem der Demokratie“
Frankfurter Rundschau
Der Filmemacher İlker Çatak zum Kinostart seines Berlinale-Gewinnerfilms „Gelbe Briefe“ und die aktuellen Auseinandersetzungen um Berlinale-Chefin Tricia Tuttle.
Politik und Kunst, die in einer Diskussion, die die Berlinale überschattete, gegeneinander ausgespielt wurden, bedingen einander in „Gelbe Briefe“: Mit seinem fünften Spielfilm gewann İlker Çatak den Goldenen Bären, heute läuft er im Kino an. Angeregt von den politisch motivierten „Säuberungen“ in der Türkei, die zwischen 2016 und 2019 rund zweitausend Kunstschaffende, Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen betrafen, dekliniert er minutiös die Folgen dieser Maßnahmen. Zugleich ist es das hochintensive Drama einer Künstlerehe, die an dieser äußeren Krise zu zerbrechen droht. Für das Blacklisting reichen Kleinigkeiten. Auf die Geldnot folgt der Verlust der Wohnung, und die zugesagte finanzielle Hilfe eines Verwandten bleibt aus opportunistischem Kalkül verwehrt. Lückenlos dagegen die erzählerische Dichte während gut zwei Stunden, in denen man studieren kann, was politisches Kino im besten Sinne leistet: Çatak macht deutlich, wie zerbrechlich sich gerade die mühevoll erarbeiteten Karrieren in Kunst und Wissenschaft erweisen, wenn ein als sicher geglaubter rechtsstaatlicher Schutz entzogen wird, schnell und leise wie ein Teppich. Wir trafen den Regisseur am Dienstagabend auf seiner Kinotour.







