Alles stirbt – außer der Glaube an das Kino
Die Welt
Gleich zwei Auszeichnungen der Berlinale 2026 gehen nach Deutschland: İlker Çatak gewinnt für „Gelbe Briefe“ den Hauptpreis, Sandra Hüller für ihre Schauspielleistung in „Rose“ den Darstellerpreis. Ein Thema beherrschte die Momente zwischen den Filmen.
Gleich zwei Auszeichnungen der Berlinale 2026 gehen nach Deutschland: İlker Çatak gewinnt für „Gelbe Briefe“ den Hauptpreis, Sandra Hüller für ihre Schauspielleistung in „Rose“ den Darstellerpreis. Ein Thema beherrschte die Momente zwischen den Filmen. Einiges an dieser Preisverleihung am Samstagabend im Berlinale-Palast war außergewöhnlich: etwa, dass der Goldene Bär zum ersten Mal seit 2004, als Fatih Akins „Gegen die Wand“ gewann, an einen deutschen Film ging. Das Familiendrama „Gelbe Briefe“ des Oscar-nominierten „Lehrerzimmer“-Regisseurs İlker Çatak erzählt von einem Künstlerpaar in der Türkei, das zunehmend ins Visier des Staates gerät, und einen Weg finden muss, den eigenen Überzeugungen und gleichzeitig der Kunst treu zu bleiben. Obwohl „Gelbe Briefe“ in Ankara spielt, wurde er größtenteils in Hamburg und Berlin gedreht. Der 128-Minüter, der ästhetisch eher ans Fernsehen als ans große Kino erinnert, stieß zwar nicht bei allen Zuschauern auf Begeisterung, erscheint aber angesichts der derzeitigen Vorzeigerolle Çataks auf dem internationalen Bankett sowie des hochaktuellen Themas als schlüssige Wahl. Auch der Silberne Bär wird vermutlich in einem deutschen Wohnzimmer stehen, vorausgesetzt Sandra Hüller wandert nicht nach Hollywood aus, wo sie schon bald an der Seite von Stars wie Ryan Gosling zu sehen sein wird. Im Berlinale-Wettbewerb brillierte sie als Frau in Soldatenverkleidung in Markus Schleinzers Historiendrama „Rose“ mit Mut zur Hässlichkeit und einer bedingungslosen Hingabe an den Drag. Damit stach sie andere Anwärterinnen wie Amy Adams als Alkoholkranke und Juliette Binoche als Tochter einer Demenzkranken aus. Überhaupt gehört der Schwarz-Weiß-Film zum Interessantesten und Wendepunktreichsten, was man in den vergangenen Tagen zu sehen bekam.
