
Wie Russland mit Gas einen Staat erpresst
n-tv
Nach langen Verhandlungen einigen Moldau und der russische Staatskonzern Gazprom sich auf einen neuen Fünfjahresvertrag. Eine Versorgungskrise in dem kleinen Land ist damit abgewendet. Der Preis dafür könnte Moldaus europäischer Kurs sein.
Als die prowestliche Politikerin Maia Sandu im November 2020 zur Präsidentin der Republik Moldau gewählt wurde, betonte sie, sie wolle die guten Beziehungen zu Russland unbedingt aufrechterhalten. Doch seit das moldauische Parlament im August eine neue, von Sandu bestimmte Regierung bestätigte, kriselt es gewaltig zwischen Moldau und Moskau. Angesichts einer drohenden Gasknappheit sah sich das kleine Land zwischen Rumänien und der Ukraine bereits gezwungen, den Ausnahmezustand zu erklären.
Am Freitag dann einigten sich Vertreter Moldaus und die Führung des russischen Staatskonzerns Gazprom bei Verhandlungen in Sankt Petersburg auf einen neuen fünfjährigen Vertrag. Zuvor hatte Gazprom gedroht, ab Dezember kein Gas mehr nach Moldau zu liefern. Für Moldau ist die Gaskrise damit vorerst beendet. Der politische Preis für die Einigung könnte allerdings hoch sein. Wie die "Financial Times" unter Berufung auf eigene Quellen berichtete, bot Gazprom Moldau Gas zu einem niedrigeren Preis an, wenn die Regierung in Chișinău ihr Freihandelsabkommen mit der EU neu verhandele und die mit der Europäischen Union vereinbarten Energiemarktreformen verschiebe.
