
Warum Deutschland gespannt auf die Wahl in Nigeria blickt
DW
Wirtschaftskrise, blutige Konflikte, eine wütende Bevölkerung – kein gutes Umfeld für die Wahl in Nigeria. Doch davon hängt ab, ob Deutschland und Nigeria künftig enger zusammenarbeiten werden.
Nicht nur für Nigerias 211 Millionen Einwohner steht am 25. Februar viel auf dem Spiel. Auch das Ausland wird genau beobachten, wie die Wahl verläuft und wer am Ende gewinnt. Denn Nigeria ist nicht einfach irgendein Land, sondern "eine Stimme, die international Gewicht hat", wie Außenministerin Annalena Baerbock letztes Jahr lobte: als größte Volkswirtschaft und bevölkerungsreichstes Land Afrikas. Entsprechend groß ist Nigerias Einfluss darauf, wie sich beispielsweise die Afrikanische Union in internationalen Fragen positioniert - egal ob Klimawandel oder russischer Angriffskrieg auf die Ukraine.
"Wir wollen mit diesem wichtigen Partner enger zusammenarbeiten", warb Baerbock vor ihrer Nigeria-Reise im Dezember 2022. Ob daraus etwas wird, hängt entscheidend von den Wahlen ab, sagen Beobachter. "Zum ersten Mal halten wir die Wahlen in einem Zustand allgemeiner Unsicherheit ab. Die territoriale Integrität Nigerias steht auf dem Spiel", warnt Nkwachukwu Orji von der Universität Nigerias im DW-Interview. Separatisten und kriminelle Banden im Süden, blutige Konflikte zwischen Farmern und Hirten im Zentrum und islamistischer Terror im Norden haben große Teile des Landes ins Chaos gestürzt.
Politische Beobachter in Berlin und anderen europäischen Hauptstädten fürchten, dass es noch schlimmer kommen könnte. Einige frühere Wahlen führten zu Gewaltausbrüchen, obwohl die Sicherheitslage besser war. Diesmal ist die Wahl besonders umkämpft, da Präsident Muhammadu Buhari nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten darf. Um seine Nachfolge ringen gleich drei aussichtsreiche Bewerber: Neben Bola Tinubu von der Regierungspartei APC und dem früheren Vizepräsidenten Atiku Abubakar von der PDP- beide Parteien dominieren Nigerias Politik seit den 1990er Jahren- tritt auch der millionenschwere Geschäftsmann Peter Obi an. Er ist besonders bei den Jungwählern beliebt.
Die Sorge westlicher Geber: Kommt es zu schwerwiegender Gewalt oder langen Streitigkeiten über das Ergebnis, könnte Nigerias Führungsrolle schwinden. Schließlich wäre das Land mit seinen eigenen Problemen beschäftigt. Doch dazu muss es nicht kommen. "Schon einige Male in Nigerias Geschichte gab es Befürchtungen, dass es nach einer Wahl zu Gewalt kommen würde, und es ist nichts passiert", sagt Lynda Iroulo, Professorin an der US-amerikanischen Georgetown University, zur DW. So gab Nigerias damaliger Präsident Goodluck Jonathan nach seiner Wahlniederlage 2015 die Macht friedlich ab.
Geht es diesmal schief oder bekommt die neue Regierung Nigerias Probleme nicht in den Griff, würden westliche Länder die Konsequenzen noch auf andere Weise spüren. "Wenn es nicht gut läuft, dann wird Migration ein großes Thema sein. Schon jetzt gehen viele Leute. Das zeigt, wie wenig Vertrauen es noch in das Land gibt, sich um seine Leute zu kümmern", sagt Politikwissenschaftler Orji.
