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Unbekannte Arten: Was sich auf den Tiefseeböden abspielt, hat „gesamtplanetarische Bedeutung“

Unbekannte Arten: Was sich auf den Tiefseeböden abspielt, hat „gesamtplanetarische Bedeutung“

Frankfurter Rundschau
Tuesday, February 22, 2022 02:09:13 PM UTC

Die meisten Arten der Tiefsee sind nicht erforscht. Dabei ist das, was sich in der Tiefe abspielt, von großer Bedeutung für den Planeten.

Frankfurt – Die Tiefsee ist eines der letzten Terrae incognitae auf der Erde: Fast zwei Drittel der auf dem Meeresboden lebenden Organismen können keiner bislang bekannten Gruppe zugeordnet werden. Das hat ein internationales Wissenschaftsteam, darunter Senckenberg-Forschende, bei der Auswertung von zwei Milliarden DNA-Sequenzen aus den Tiefseesedimenten aller großen Ozeane festgestellt.

Das Genmaterial war bei 15 internationalen Tiefsee-Expeditionen gesammelt worden. Die Daten geben zudem Aufschluss darüber, welchen Einfluss die Ökosysteme der Tiefsee für das globale Klima haben. Die Studie wurde im Fachjournal „Science Advances“ veröffentlicht.

Auch in Tiefen von mehr als neun Kilometern gibt es in den Meeren noch Leben. So sorgt dort eine Vielzahl verschiedener Organismen dafür, absinkende organische und anorganische Stoffe zu recyceln und/oder zu binden. Was sich auf den Tiefseeböden abspiele, sei von „gesamtplanetarischer Bedeutung“, sagt Angelika Brandt vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt. Sie meint damit das „gesunde Funktionieren der Nahrungsnetze in den Ozeanen“ und das „Binden von atmosphärischem Kohlenstoff“: „Beides beeinflusst unser Weltklima entscheidend.“

Die Häufigkeit und die Zusammensetzung der untersuchten Plankton-DNA in Tiefseesedimenten bestätige, „dass die Polarregionen als Hotspots der Kohlenstoffbindung fungieren“, heißt es in einer Senckenberg-Mitteilung. Die Forschenden hätten in ihrer Studie zudem erstmalig gezeigt, „welche Mitglieder der Planktongemeinschaft am meisten zur Bindung des atmosphärischen Kohlendioxids beitragen und damit das globale Klima mitregulieren“.

„Es ist wichtig, das zu verstehen und dann auch entsprechende Schutzmaßnahmen ergreifen zu können“, erklärt Angelika Brandt. Denn das Ökosystem Tiefsee stehe, verursacht durch den Menschen, unter „enormem Druck“: „Klimawandel, Tiefsee-Bergbau, Öl- und Gasexploration, Schleppnetze sowie Verschmutzung bedrohen das Leben in den Tiefen des Meeres.“ Die Genomdatensätze böten überdies die Möglichkeit, die Lebenswelt aus Ozeanen der Vergangenheit zu rekonstruieren. (Pamela Dörhöfer)

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