
Tunesien in der Dauerkrise: Hohe Lebensmittelpreise, verschärfte Medienkontrolle
DW
Steigende Preise machen immer mehr Tunesiern zu schaffen. Die Auswanderungsquote schnellt in die Höhe. Derweil setzt Präsident Kais Saied mit einem neuen Mediengesetz seinen autoritären Kurs fort.
Kais Alaoui hat aufgegeben. Seitdem er 2020 während der Corona-Pandemie seinen Job in einem Hotel auf der Insel Djerba verloren hat, sucht der 47-Jährige vergeblich nach Arbeit. Seine Ersparnisse sind aufgebraucht, und selbst wenn er wieder eine Anstellung in einem Hotel fände, würde er angesichts der steigenden Preise nicht genug verdienen, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. "Mit einem Durchschnittslohn von 500 tunesischen Dinar (etwa 155 Euro - Anm.d.Red.) kann man bei der derzeitigen Teuerungsrate nicht mehr leben", sagt er im Gespräch mit der DW.
Alaoui hatte einen Traum: Er wollte eine kleine Familie gründen. Den hat er vorerst aufgeschoben. Stattdessen hat er sich um eine Stelle im Ausland beworben und möchte bald nach Nordirland gehen und sein Glück dort versuchen.
Auch Mohamed Denguezli aus Tunis kann seine Familie kaum ernähren. Dabei, sagt er, habe er einen vergleichsweise gut bezahlten Job. "Doch die Situation hat sich dramatisch verändert", so der 38-jährige Techniker zur DW.
Die hohe Inflation und ihre Folgen werden auch im Internet diskutiert, wie hier auf Twitter bezüglich der Mangelware Zucker.
Nach Angaben des staatlichen Statistikinstituts sind die Lebensmittelpreise im August um fast zwölf Prozent gestiegen - so stark wie seit drei Jahrzehnten nicht mehr.
