
Tief verletzter Mesut Özil distanziert sich immer mehr von Deutschland
RTL
An kaum einem anderen deutschen (Ex)-Nationalspieler scheiden sich so sehr die Geister wie an Mesut Özil. Mittlerweile ist der Weltmeister fast komplett aus der Öffentlichkeit verschwunden. Eine Doku spürt der Entfremdung Özils von Deutschland nach.
An kaum einem anderen deutschen (Ex)-Nationalspieler scheiden sich so sehr die Geister wie an Mesut Özil. Mittlerweile ist der Weltmeister fast komplett aus der Öffentlichkeit verschwunden. Eine Doku spürt der Entfremdung Özils von Deutschland nach. Hamit Altintop hat mit Mesut Özil bei Schalke 04 und bei Real Madrid gespielt, er nennt den Weltmeister von 2014 seinen „Freund“. Aber, sagt Altintop gleich zu Beginn der dreiteiligen ZDF-Doku „Mesut Özil - Zu Gast bei Freunden“: „Keiner kennt ihn“, den Menschen Mesut Özil. Das vermögen auch die zweieinhalb Fernsehstunden von Grimme-Preisträger Florian Opitz nicht zu ändern. Özil, schreiben die Macher, „war nicht dazu bereit“, mit ihnen zu reden. Sehenswert ist die Doku (ab 20. März im ZDF-Streaming-Portal, am 31. März, 20.15 Uhr, im ZDF) dennoch. Weniger, weil sie die Karriere eines Fußballstars detailgetreu nachzeichnet, sondern als Erzählung über Integration und Rassismus in der Bundesrepublik. Özil mag sich dem Blick der deutschen Öffentlichkeit schon seit Jahren entziehen, seine Geschichte aber, sagt Macher Opitz, errege „die Gemüter der Deutschen“ noch immer „extrem“. Sie erzähle „mindestens so viel über die deutsche Gesellschaft und ihren Umgang mit Menschen mit Migrationshintergrund“ wie über Mesut Özil selbst. Alles beginnt in Gelsenkirchen. In der Stadt, die Özil in einem Interview von 2017, das erstmals im TV zu sehen ist, „meine Heimat“ nennt. Mit der Liebe zu ihr begründet er seine Entscheidung für die deutsche Nationalmannschaft. Gegen jene der Türkei, dem Land seiner Großeltern - was Teile der Familie als „Verrat“ auffassen, wie Vater Mustafa berichtet. Und alles endet mit Özils Bruch mit der DFB-Elf, mit Deutschland - und seiner Hinwendung zu Recep Tayyip Erdogan. Dazwischen ist: das Foto. Erstmals wirklich thematisiert wird die berühmte Özil-Aufnahme aus dem Mai 2018 mit dem türkischen Staatspräsidenten nach knapp 110 Filmminuten. Sie entsteht zu einer Zeit, so zeigt es die Doku, als sich die Stimmung im Land wandelt. Von der Integrations-Euphorie, die Özil einen Bambi einbrachte, und der Willkommenskultur von 2015 hin zu Pegida-Märschen und AfD-Hochs. Özil spürt, dass er noch immer als „Deutsch-Türke“ wahrgenommen wird, nicht als vollwertiger Deutscher.













