
"The Northman" - Warum Wikinger uns faszinieren
DW
Im Kino läuft mit "The Northman" wieder ein Wikinger-Film an: Sie sind brutale Krieger, die mit ihren Booten übers Meer kommen und ihre Opfer gnadenlos abmetzeln. Doch wird da nicht ein Klischee bedient?
Sie kämpften mit Streitäxten und Schwertern, waren extrem blutrünstig, trugen bedrohlich wirkende Hörnerhelme und nach jeder Schlacht gab es ein wildes Gelage, bei dem der Met in Strömen floss. "Halt", sagt der Historiker Dominik Waßenhoven von der Universität zu Köln, "ich glaube, dass diese Darstellung ein bisschen der Phantasie von mittelalterlichen Autoren geschuldet ist." So hätten die Wikinger ganz normale Helme ohne Hörner getragen, das sei schon lange nachgewiesen. Auch an den vielen Gelagen zweifelt Waßenhoven: "Ein Klischee, das aber immer wieder gerne in den populären Medien aufgegriffen wird", sagt er.
Und wie sieht es mit der Überlieferung aus, dass die Wikinger mehr Angst und Schrecken verbreiteten als alle anderen Krieger seinerzeit? Auch das kann der Historiker so nicht bestätigen: "Also, sie waren sicherlich nicht harmlos. Aber ich würde sagen, sie waren nicht per se blutrünstiger oder sind brutaler zu Werke gegangen als ihre Zeitgenossen."
Ihr Ruf, klärt Waßenhoven auf, habe etwas mit der Perspektive der Opfer zu tun. Die Wikinger überfielen gern abgelegene Klöster und dort saßen Mönche, die des Lesens und Schreibens mächtig waren. So auch im Jahr 793, als die Krieger aus dem hohen Norden das Kloster Lindisfarne im Norden Englands überfielen. Eine Chronik berichtet: "Sie töteten einige der Brüder, schleppten einige in Fesseln mit sich, viele vertrieben sie, nackt und mit Beschimpfungen überhäuft, manche ertränkten sie im Meer." Doch damit nicht genug, so die Überlieferung: Die Barbaren aus dem Norden schleppten die goldenen Kelche und Reliquienschreine und das Vieh davon und steckten die Gebäude in Brand. Die Bauern der Umgebung nahmen sie mit, um sie als Sklaven zu kaufen.
Später sollte ein angelsächsischer Mönch niederschreiben: "Nie zuvor war solch ein Schrecken über Britannien gekommen, wie wir ihn nun durch eine heidnische Rasse erleiden." Die Nachricht von der Plünderung verbreitete sich in Windeseile, die Nordmänner wurden für die christlichen Mitteleuropäer zum Symbol des Schreckens. Oft unterschlagen wird dabei, dass die Wikinger auch Handel trieben. Mit Fisch, Rentierfellen, gedrechselten Holzarbeiten, Goldschmiedearbeiten, Metallwerkzeugen, Waffen und den erbeuteten Gütern.
Dass die Wikinger sich überhaupt außerhalb ihrer Heimat auf Raubzüge begaben, hat damit zu tun, dass ihre Heimat in Skandinavien einer wachsenden Bevölkerung nicht genug Ressourcen lieferte. Das karge hügelige Land war nicht ideal, um Getreide und Gemüse anzubauen. Zum anderen aber waren sie begnadete Bootsbauer.
