
So etwas würde ein Love-Scammer doch nicht sagen, oder?
n-tv
Der Roman "Hey guten Morgen, wie geht es dir?" gewinnt den Buchpreis 2024. Fast tänzerisch erzählt Martina Hefter die merkwürdige Dreiecksbeziehung zwischen Juno, ihrem schwerkranken Ehemann Jupiter und Benu, einem Liebesbetrüger aus Nigeria. Doch die Schrittfolge der Autorin ist oft zu schnell.
Gewissermaßen steckt Juno in einer Dreiecksbeziehung. Mit ihrem an Multiple Sklerose erkrankten Ehemann Jupiter, der sie ebenso in- und auswendig kennt wie sie ihn, teilt sie die in die Jahre gekommene Wohnung im Leipziger Westen sowie ihre Vergangenheit. Benu hingegen platzt als abgedroschenes Kompliment auf Instagram in ihr Leben. Für den Liebesbetrüger, der über 6000 Kilometer entfernt in einer Kleinstadt in Nigeria lebt, ist die Mitte 50-Jährige in diesem Moment kaum mehr als ein Geschäftsmodell. Juno wiederum nutzt den 32-Jährigen als digitale Belustigung in einer schlaflosen Nacht. Ihr Kontakt ist damit maximal austauschbar - zumindest anfangs.
"Es stellt sich die Frage, wer hier wen ausbeutet - und was passiert, wenn wider Erwarten die Grenzen zwischen digitalem Spiel und realer Zuneigung verschwimmen", schreibt die Jury des Deutschen Buchpreises über den diesjährigen ersten Platz "Hey guten Morgen, wie geht es dir?". In ihrem vierten Roman, der als Hörbuch im Argon-Verlag erschienen ist, setzt Martina Hefter ihren Hörerinnen und Hörern die Brille ihrer Protagonistin, Juno Isabella Flock, auf. Dann geht es im Schnellschritt durch ihr mit Hindernissen gespicktes Leben. Die Jury fasst ihre Faszination für Hefters Werk so zusammen: Der Autorin sei es gelungen, den "zermürbenden Alltag" mit "kosmischen Elementen" zu verbinden.So bedeutet Junos Alltag in erster Linie die Pflege ihres schwer kranken Mannes. Jupiter, sein Leben lang Schriftsteller, ist zum einen auf Rollstuhl und Pflegebett und zum anderen auf seine Frau angewiesen. Zwar klammert er sich an jeden Millimeter seines schwindenden Bewegungsradius, vor allem für und vor Juno. Doch wissen sie beide, dass schon das Halten des Buttermessers eine kaum vergleichbare Kraftanstrengung für ihn darstellt. Seine Schuhe kann er schon jetzt nicht mehr alleine binden und die eben einsetzenden Zahnschmerzen deuten auf einen neuen Schub hin.
