
Russland beherrscht Davos - auch ohne Russen
DW
Im "Russia House" in Davos präsentierte sich Russland einst als lohnendes Ziel für Investitionen. Jetzt wird das Haus von Ukrainern genutzt, um an russische Kriegsverbrechen zu erinnern.
Russische Stimmen hallen durch das ehemalige Russia House in Davos, ganz wie früher - allerdings richten sie sich dieses Mal nicht an potenzielle Investoren. Vielmehr sind es die Stimmen russischer Soldaten, die ihren Angehörigen in der Heimat stolz von Verbrechen erzählen, die sie in der Ukraine begangen haben.
Seit 2018 war das Haus die russische Residenz in dem Schweizer Alpenort. Jetzt wird es von einer ukrainischen Organisation genutzt, die es in Haus der russischen Kriegsverbrechen umbenannt hat.
Die Umbenennung sei "ein Beispiel für das, was sich Russland selbst angetan hat, indem es zu einem Staat von Kriegsverbrechern geworden ist", sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selensky am Montag in seiner virtuellen Ansprache an die Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos.
Früher wurde das Russland-Haus von der Stiftung Roscongress unterhalten und war ein wichtiges Element in der Selbstdarstellung des Landes gegenüber der globalen Investoren. Im Januar 2020, beim letzten regulären WEF vor der Pandemie, besuchten mehr als 2000 Gäste aus 85 Ländern das Haus, darunter der US-Milliardär Ray Dalio und Scheich Ali Alwaleed Al Thani, ein Mitglied der katarischen Herrscherfamilie.
In diesem Jahr konnten Ukrainer das Gebäude übernehmen, nachdem das WEF beschlossen hatte, als Reaktion auf den Krieg keine russischen Vertreter und Wirtschaftsführer nach Davos einzuladen.
