
Plastik-Müllstrudel sind auch Ökosysteme
n-tv
In den Weltmeeren treiben Zehntausende Tonnen Plastik. Ein Team von Forschenden warnt nun erneut davor, diese Müllstrudel einfach aus dem Wasser zu fischen - denn dort schwimmen nicht nur Kunststoffe, sondern auch Lebewesen.
Der Große Pazifische Müllstrudel beherbergt neben Zehntausenden Tonnen Kunststoff auch eine Fülle schwimmender Meeresorganismen direkt unter der Wasseroberfläche. Wie ein Forschungsteam im Fachblatt "PLOS Biology" berichtet, ist deren Zahl in Gebieten mit besonders viel Plastikmüll auch besonders hoch. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler befürchten daher, dass ausgerechnet Versuche, den Müll aus den Ozeanen zu fischen, eine Gefahr für diese Ökosysteme darstellen könnten.
Das sogenannte Neuston, nach dem Griechischen "Das Schwimmende", ist eine besondere maritime Lebensgemeinschaft. Es bezeichnet die Gesamtheit der Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen, die überwiegend direkt unter der Wasseroberfläche leben. Viele dieser Lebewesen haben eine auffällige blaue oder violette Färbung, von der vermutet wird, dass sie vor UV-Strahlen schützt oder als Tarnung vor Fressfeinden dient. Entsprechend werden die Tiere auch "blaue Flotte" genannt. Neuston-Gattungen finden sich weltweit, aber derzeit ist mit der Sargassosee östlich von Florida nur eine Meeresregion bekannt, in der sie in hohen Dichten vorkommen.
Da die Neuston-Organismen Strömungen nutzen, um sich im offenen Ozean fortzubewegen, vermutete ein Team um Biologin Rebecca Helm, dass sie auch massenhaft in den großen Müllstrudeln der Weltmeere zu finden sind. Solche Plastikwirbel entstehen, wenn Oberflächenströmungen die Kunststoffverschmutzung von den Küsten in Regionen treiben, in denen rotierende Strömungen die schwimmenden Objekte einfangen.
