Nächste Runde in der Korruptionsaffäre
Süddeutsche Zeitung
Der Bundesgerichtshof entscheidet über die Revision im Fall Joachim Wolbergs. Der Prozess gegen den früheren Regensburger Oberbürgermeister könnte nochmal neu aufgerollt werden.
Es gab da diese Szene, Juli 2019, Regensburger Landgericht. Joachim Wolbergs trat durch die Tür des Gerichtssaals, auf den Flur, vor die Mikros und Kameras. "Klarer geht es nicht", sagte er über das Urteil, das die Richterin gerade gesprochen hatte. Dann brüllte er: "Über diese Stadt ist der Schleier der Korruption gelegt worden. Und das ist alles Unsinn." Schon damals war das eine sehr kreative Interpretation des Urteils. Immerhin hatte das Gericht den damaligen Oberbürgermeister Wolbergs wegen Vorteilsannahme schuldig gesprochen, sprich: wegen Korruption. Eine Strafe allerdings hatte Wolbergs nicht bekommen, obwohl die Staatsanwaltschaft knackige viereinhalb Jahre Haft gefordert hatte. Der OB nahm das zum Anlass, seinen Schuldspruch zu einem "faktischen Freispruch" umzudeuten. Doch der Freispruch, den es nie gab, wackelt jetzt.
