
Kritik an Bund-Länder-Beschlüssen zu Corona
DW
Kann die vierte Corona-Welle in Deutschland mit den nachjustierten Beschränkungen gebrochen werden? Führende Ärzte und Wissenschaftler sagen Nein. Ein ganz anderes Problem haben Gastronomie und Einzelhandel.
Nach den jüngsten Beschlüssen der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) zur Eindämmung der Pandemie verlangen Ärzte und Wissenschaftler noch strengere Maßnahmen. Der Präsident der Intensivmediziner-Vereinigung Divi, Gernot Marx, plädiert für stärkere Kontaktbeschränkungen auch für Geimpfte. Im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) verweist er zur Begründung auch auf die neue Virusvariante Omikron, über die man noch nicht genug wisse. "Wir können nicht ausschließen, dass die Impfstoffe vermindert wirken", sagte Marx. "Wegen dieses Nicht-Wissens ist zwingend notwendig, besonders vorsichtig zu sein."
In dieses Horn stößt auch Klaus Überla, Virologe und Mitglied der Ständigen Impfkommission (Stiko). Er spricht von einem Fehler, Kontaktbeschränkungen für Geimpfte auszuschließen. Inzwischen trete fast die Hälfte der symptomatischen Infektionen bei Geimpften auf, erklärte er dem RND. "Die Geimpften spielen eine beträchtliche Rolle bei der Ausbreitung des Virus."
Nach Auffassung von Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt sollte für Geimpfte und Genesene bundesweit verpflichtend in Bars, Restaurants sowie für Sport und Kulturveranstaltungen in Innenräumen 2G-plus gelten - dann müsste zusätzlich ein negativer Corona-Test vorgelegt werden. Vor allem müsse die Einhaltung der Zutrittsvoraussetzungen strikt kontrolliert und deren Missachtung verbindlich sanktioniert werden, mahnte er in der "Neuen Osnabrücker Zeitung".
Auf die mangelnde Überprüfbarkeit der beschlossenen strengen Kontaktbegrenzungen für Ungeimpfte verweist der Epidemiologe Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen. Es wäre besser gewesen, Kontaktbeschränkungen für alle zu verhängen. "Mit den Beschlüssen werden wir noch etwa drei bis vier Wochen einen Anstieg der Fälle in den Kliniken und auf den Intensivstationen haben." Die Welle werde nicht so schnell aufhören, so Zeeb.
Das Robert Koch-Institut meldet an diesem Freitag 74.352 Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg wieder und zwar auf 442,1. An oder mit COVID-19 starben 390 weitere Menschen.













