
Janne Friederike Meyer-Zimmermann: "Das Gegenteil von Mutterschutz"
DW
Springreiterin Janne Friederike Meyer-Zimmermann zeigt beim CHIO Aachen Top-Leistungen im Sattel. Gleichzeitig kämpft sie abseits des Parcours um mehr Chancengleichheit für Frauen im Reitsport.
Springreiterin Janne Friederike Meyer-Zimmermann ist Ende Januar Mutter geworden und erzielt bereits wieder Top-Ergebnisse. Gerade erst hat sie beim CHIO Aachen mit Deutschland den Nationenpreis gewonnen. Allerdings verlief die Rückkehr in den Sport zwei Monate nach der Geburt ihres Sohnes Friedrich nicht reibungslos. Normalerweise müssen Reiterinnen nach den Regeln des Reitsport-Weltverbands FEI bei einer Schwangerschaft mindestens sechs Monate pausieren.
Sie behalten dann 50 Prozent der Weltranglistenpunkte, die sie im Vorjahr im entsprechenden Zeitraum gesammelt haben. Normalerweise verfallen die Punkte nach einem Jahr. Die Regelung soll es Reiterinnen ermöglichen, nach der Schwangerschaft ungefähr auf dem Level wieder einzusteigen, auf dem sie vorher waren. Die Weltranglistenpunkte entscheiden nämlich mit darüber, an welchen Turnieren man teilnehmen darf - je höher das Ranking, desto hochklassiger die Prüfungen.
Weil Meyer-Zimmermann aber bereits nach fünfeinhalb Monaten Pause an einem Turnier in Oliva in Spanien teilnahm, strich ihr der Weltverband alle Punkte, die älter waren als ein Jahr, und sie rutschte daraufhin in der Weltrangliste von Rang 107 auf Platz 270 ab. Meyer-Zimmermann sieht sich als Leidtragende einer Regelung, für deren Aufhebung sie nun kämpft. Im Interview mit der DW spricht sie über eine dazu ins Leben gerufene Initiative für mehr Chancengerechtigkeit im Reitsport und ihre persönlichen sportlichen Ziele.
DW: Frau Meyer-Zimmermann, wem entsteht ein Nachteil dadurch, dass man als Reiterin einen halben Monat früher aus dem Mutterschutz in den Turniersport zurückkehrt als vorher angekündigt?
Janne Friederike Meyer-Zimmermann: Ich bin mir ganz sicher, dass niemandem dadurch ein Nachteil entsteht. Ich glaube auch nicht, dass die Regel ursprünglich eingeführt wurde, um jemanden zu bestrafen, sondern sie ist mit dem positiven Gedanken entstanden, dass immerhin 50 Prozent der Ranglistenpunkte gesichert werden.
