
Irland kommt bei Mindeststeuer doch noch an Bord
DW
Lange hat Irland mit niedrigen Steuern große Konzerne angelockt - und stand deshalb der Idee einer weltweiten Steuerreform entsprechend skeptisch gegenüber. In letzter Minute schwenkt Dublin um.
Facebooks Hauptquartier für Europa, Nahost und Afrika befindet sich am Grand Canal Square in Dublin - doch nicht mehr lange: Zwei Kilometer weiter südlich lässt der Tech-Riese einen neuen Campus für bis zu 7000 Mitarbeitende bauen. Der Konzern bekennt sich in Pressestatements zum Standort Irland und verspricht, die Belegschaft weiter zu vergrößern. Neben Facebook betreiben rund 800 weitere US-Konzerne wichtige Niederlassungen in Irland, investieren dort jedes Jahr Milliarden und beschäftigen 180.000 Menschen - ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für das kleine EU-Land.
Die irische Regierung hatte lange befürchtet, die großen US-Konzerne zu vergraulen, wenn sie die Unternehmenssteuern erhöht und somit die eigene Position im Wettbewerb mit anderen Standorten schwächt. Als US-Präsident Joe Biden im Frühjahr Unterstützung für die Pläne einer globalen Mindeststeuer signalisierte, wurde man hellhörig in Dublin. Inzwischen haben knapp 140 Staaten eine Reformagenda unter dem Dach der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ausgearbeitet. Irland war an dem Prozess beteiligt, wenn auch höchst zurückhaltend. In diesem Monat soll die finale Entscheidung fallen - und erst an diesem Donnerstag hat das irische Kabinett die Kehrtwende vollzogen: Irland ist nach dem Kabinettsbeschluss nun offiziell an Bord.
