
Iran wünscht Ausbau der Beziehungen zu China
DW
Der Iran wünscht konkrete Fortschritte bei der wirtschaftlichen Kooperation mit China. Dem stehen die US-Sanktionen im Weg.
Der iranische Außenminister Hussein Amir Abdullahian (Artikelbild) ist nach China gereist, zum ersten Mal nach dem Regierungswechsel in Teheran im vergangenen August. Laut dem iranischen Nachrichtenportal Mehr News traf Abdollahian am Freitag mit seinem Amtskollegen Wang Yi zusammen. China wolle die im März 2021 beschlossene umfassende strategische Partnerschaft zum Wohle beider Staaten weiter ausbauen, wie ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums mitteilte. Vom iranischen Außenministerium hatte es geheißen: "Der Außenminister wird verschiedene Themen ansprechen, darunter das Abkommen über 25 Jahre (Laufzeit)."
Damit stand für das chinesische Außenministerium diese Woche ganz im Zeichen des Nahen und Mittleren Ostens: Zwischen Montag und Freitag waren neben Abdullahian die Chefdiplomaten aus Saudi-Arabien, Kuweit, Oman, Bahrain sowie der Generalsekretär des Golf-Kooperationsrats in Peking. China und die Golfstaaten haben sich "in Fragen, die ihre Kerninteressen betreffen, gegenseitig unterstützt und die praktische Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen gefördert", sagte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums Wang Wen.
Auch über den Iran wurde gesprochen. Die Golfstaaten, darunter Saudi-Arabien, sollen ihre Besorgnis über die nuklearen Ambitionen des Iran, sein Raketenprogramm und seine regionalen Stellvertreterkriege zum Ausdruck gebracht haben.
"Für die arabischen Golfstaaten steht die engere Zusammenarbeit mit Peking im Zusammenhang mit der Wahrnehmung eines amerikanischen Rückzugs aus der Region", schreibt Mohammad Ali Shabani von der auf Nahost-Themen spezialisierten Londoner Webseite Amwaj Media auf Nachfrage der DW. "Gleichzeitig ändert sich das Kräfteverhältnis zwischen den USA und China, das seine Präsenz in der Region im Rahmen der Belt and Road-Initiative (Neue Seidenstraße) ausbaut. Im Gegensatz zu den USA oder Europa ist China der wichtigste Abnehmer von Öl aus der Region und erfreut sich außerdem bemerkenswert 'normaler' Beziehungen zu allen wichtigen Akteuren, von Israel über Saudi-Arabien bis zum Iran. Diese Kombination aus Interessen und Beziehungen könnte China ermöglichen, sein regionaler Präsenz in den kommenden Jahrzehnten erheblich auszuweiten."
Angesichts der Konfrontation zwischen dem Iran einerseits und seinen arabischen Nachbarn sowie Israel andererseits muss Peking auf dem Gebiet militärischer Kooperation mit seinen Partnern in der Region einen "Balanceakt" vollführen, heißt es in einem aktuellen Beitrag der Zeitschrift "Foreign Affairs." So wurde Ende 2021 bekannt, dass China Saudi-Arabien beim Bau einer Fabrikationsanlage für ballistische Raketen hilft. Der US-Sender CNN berichtete von Satellitenaufnahmen, die mindestens eine Fertigungsanlage zeigen sollen, sowie über einen regen Austausch von Technologie zum Bau ballistischer Raketen zwischen Riad und Peking. Gleichzeitig gibt es auch Beispiele für eine militärische Kooperation zwischen Iran und China, etwa in Form gemeinsamer Seemanöver. Auch bei einem iranischen Angriff auf US-Militärziele im Irak im Januar 2020 soll chinesische Raketen-Know-how laut "Foreign Affairs" im Einsatz gewesen sein.
