
Druck auf dem Kessel
Frankfurter Rundschau
Ex-DFB-Boss Theo Zwanziger bringt mit seinem Vorstoß zur Ausgliederung der Frauenfußball-Bundesliga den Verband in Bedrängnis.
Unser Theo“ hieß es irgendwann fast liebevoll, wenn sich Theo Zwanziger in seiner sechsjährigen Amtszeit als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) inmitten der Nationalspielerinnen bewegte. Wer hatte denn dazu beigetragen, dass Silvia Neid Bundestrainerin aufstieg oder die Frauen-WM 2011 nach Deutschland kam? Tief im Herzen hat der durchaus streitbare Strippenzieher aus Altendiez lieber Frauen- als Männer-Länderspiele besucht, weil es dort familiärer, herzlicher und bodenständiger zugeht.
Doch nur mit diesen Attributen geht es auch nicht voran. Weshalb der Ex-Chef hinter einem Vorstoß steht, der erhebliche Unruhe im Verband ausgelöst hat: Der Fußballverband Rheinland hat für den DFB-Bundestag am 11. März 2022 die Ausgliederung der Frauen-Bundesliga beantragt. Eine Art Misstrauensvotum.
Zwanziger geht es um neue Strukturen und eine bessere Sichtbarkeit der Zwölfer-Liga, um letztlich auch mehr Geld hereinzuholen. Von seinem Sohn Ralf, Abteilungsleiter bei der TSG Hoffenheim, dem besten Ausbildungsverein der Frauen-Bundesliga, weiß der 75-Jährige: Die meisten Klubs werden unter einem Männer-Dach quersubventioniert: Einnahmen von im Schnitt 1,1 Millionen Euro stehen Ausgaben von 2,1 Millionen entgegen. Ähnlich wie bei den Männern, so der Plan, soll der professionelle Bereich der Frauen selbst vermarktet werden. Genau ein solches Modell hatte auch der Präsident des FC Bayern, Herbert Hainer, befürwortet und „eine ernsthafte Überlegung“ genannt. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) plant so schnell keine Aufnahme der Frauen-Bundesliga, auch wenn der bald scheidende Liga-Chef Christian Seifert solche Gedankenspiele mal öffentlich gemacht hat. Zwanziger sagt, er habe einen Stein ins Wasser geworfen.













