
"Die progressive Zivilgesellschaft ist nicht verschwunden"
n-tv
Die Veröffentlichung der Correctiv-Recherche tritt in Deutschland eine Welle des Protestes gegen Rechtsextremismus los. Hunderttausende gehen auf die Straßen. Jannis Grimm ist Protestforscher und erklärt im Interview, welches Potenzial in diesen Demonstrationen steckt und wie es in den nächsten Wochen weitergehen könnte.
ntv.de: Herr Grimm, inzwischen haben mehr als eine Million Menschen in Deutschland gegen Rechtsextremismus demonstriert. Was bedeutet das?
Jannis Grimm: Die Proteste zeigen zum einen, dass die Pläne rechtsextremer Netzwerke zur Vertreibung von Menschen mit Migrationsgeschichte von einem großen Teil dieser Bevölkerung nicht hingenommen werden. Das war für viele ein Schockmoment, der deutlich gemacht hat, was es konkret bedeuten würde, wenn rechtspopulistische Akteure in Deutschland in Regierungsverantwortung kämen. Zum anderen wird deutlich, dass die Gemeinsamkeiten in unserer Gesellschaft sehr groß sind: Also nicht nur gegen etwas zu sein, sondern sich aktiv für Demokratie, für Zusammenhalt und Weltoffenheit einzusetzen. In den letzten Jahren wurde der progressive Teil dieser Gesellschaft als apolitisch und lethargisch angesehen, weil man vor allem rechtspopulistische Proteste, wie zum Beispiel die gegen Corona-Maßnahmen, wahrgenommen hat. Die aktuellen Proteste zeigen, dass dieses latente progressive Potenzial durchaus noch mobilisierbar ist. In Deutschland gibt es wenig, was die Menschen so sehr politisiert wie Rechtsextremismus. Und das ist für mich ein Zeichen der Zuversicht.
Wer nimmt an diesen Protesten teil?
