
"Der Sonntagsbraten ist ein geschätztes moralisches Prinzip"
n-tv
Klimaschutz spaltet. Für die einen ist er eine Frage der Existenz, für die man verzichten muss; für die anderen eine unverhältnismäßige Belastung derjenigen, die bereits genug tun. Die Grenze verläuft deutlich sichtbar: "Speziell bürgerliche, aber auch ressourcenschwache Milieus haben den Eindruck, dass die bekannten Verzichts-Appelle permanent an sie gerichtet sind", sagt Sozialforscherin Silke Borgstedt im "Klima-Labor" von ntv. Florian Wagner stimmt ihr zu. Der frühere CDU-Kommunalpolitiker möchte Klimaschutz mit seinem Verein Heimatwurzeln neu denken. Nicht länger "links" und ausdrücklich ohne Belastungen soll er sein, sondern ein Zugewinn für die Mitte der Gesellschaft. "Sonst ist das in vier Jahren vielleicht gar kein Thema mehr", lautet sein Argument. Borgstedt unterstützt den Ansatz. Bürgerliche Milieus achten stark auf persönliche Vorteile, sagt die Sozialforscherin. Erkennen sie diese, ist das Ergebnis ihr zufolge eindeutig: Der Fleischkonsum sinkt, die Zahl der Wärmepumpen steigt.
ntv.de: Ihr Verein heißt Heimatwurzeln. Was hat das mit bürgerlichem Klimaschutz zu tun?
Florian Wagner: Beim Klimaschutz werden immer Weltuntergangsszenarien an die Wand gemalt: Wir müssen den Planeten retten. Von diesen Narrativen möchten wir wegkommen und die Menschen in der Heimat abholen, denn dort beginnt Klimaschutz - speziell für die bürgerliche Mitte. Die brauchen wir, wenn wir das 1,5-Grad-Ziel einhalten möchten. Sie spielt bei Wahlen eine entscheidende Rolle.
