
Das IOC, Russland und Belarus: Europas Politiker positionieren sich
DW
Der Vorstoß des IOC-Präsidenten Thomas Bach, russische und belarussische Athleten bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris unter neutraler Flagge antreten zu lassen, ruft die internationale Politik auf den Plan.
"Es ist schmerzhaft, aber meine Meinung ist ganz klar - ich stehe auf der Seite der Ukraine, es ist nicht an der Zeit, russischen Sportlern die Hand zu geben, das ist nicht ethisch", sagt Gunta Vaičule, Vorsitzende der Athletenkommission des Lettischen Olympischen Komitees (LOK), der DW. Die 27 Jahre alte Leichtathletin bereitet sich gerade auf die Olympischen Spiele in Paris vor. Und die Diskussion um die von IOC-Chef Thomas Bach jüngst ins Spiel gebrachte Zulassung russischer und belarussischer Sportler bei dem größten Sportevent der Welt lässt Vaičule geradezu das Blut in den Adern gefrieren.
In Folge des Ukraine-Krieges sind Russland und Belarus von internationalen Wettkämpfen ausgeschlossen. Bis auf wenige Ausnahmen, etwa im Tennis, galt dies auch für Starts als neutrale Sportler. Die Ukraine drohte mit einem Olympia-Boykott, will aber noch davon abwenden, wenn die Teilnahme russischer und belarussischer Teilnehmer an den Spielen in der französischen Hauptstadt 2024 verhindert werden kann.
Der Sprinterin Vaičule, die bereits bei den Spielen in Rio de Janeiro 2014 für ihr Land an den Start gegangen war, geht es aber nicht nur um ihre eigene Haltung. Vielmehr sieht sie im Vorhaben Bachs eine viel weitergehendere politische Dimension zum Nachteil ihres Landes, das unmittelbar an Russland und Belarus grenzt, aber auch zum Nachteil der gesamten baltischen Region. "Nach dem 24. Februar [2022; Anmerk d. Red.] fühlen wir Letten uns nicht mehr sicher, wir erinnern uns daran, was uns unter der Sowjetunion widerfahren ist. Und ich muss alles in meiner Macht stehende tun, damit so etwas nicht mehr passiert. Ich kann die Kriegsmaschinerie nicht aufhalten, aber ich muss sie irgendwie beeinflussen", sagt Vaičule.
In dieser Auffassung wird sie auch aus höchsten lettischen Regierungskreisen unterstützt. So sei das Vorhaben "russischen und weißrussischen Athleten die Teilnahme an den nächsten Olympischen Spielen zu gestatten, unmoralisch und falsch", betont Edgars Rinkēvičs, Minister für auswärtige Angelegenheiten der Republik Lettland. Sollte Russland seinen Krieg gegen die Ukraine fortsetzen, müsse es isoliert werden. "Wie alle Tyranneien nutzt Russland den Sport für politische Zwecke. Das IOC sollte sich nicht an russischen Propagandabemühungen mitschuldig machen", so Rinkēvičs.
In einem ausführlichen Statement - unterschrieben von NOC-Präsident Zorzs Tikmers - ließ auch das lettische Olympische Komitee keine Zweifel aufkommen: "Der Standpunkt des lettischen NOC war, ist und bleibt unverändert und grundsätzlich - solange in der Ukraine ein Krieg herrscht, ist die Teilnahme russischer und belarussischer Athleten an den Olympischen Spielen, egal unter welcher Flagge, nicht akzeptabel."
