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Bolsonaro und der Regenwald: eine Bilanz

Bolsonaro und der Regenwald: eine Bilanz

DW
Thursday, September 22, 2022 09:59:16 AM UTC

In Jair Bolsonaros Präsidentschaft fällt eine erneute deutliche Zunahme der Abholzung im Amazonasgebiet. Kurz vor den Wahlen in Brasilien fragen wir: Wie geht es dem Regenwald nach knapp vier Jahren Bolsonaro?

Der Amazonas-Regenwald gilt als eines der sogenannten Kippelemente, die das Weltklima aus dem Gleichgewicht bringen können. Schätzungen zufolge könnte für das Erreichen des Kipppunktes ein Verlust von 20 bis 25 Prozent der Walddecke im Amazonasbecken ausreichen. Laut Studien sind bereits etwa 18 Prozent des brasilianischen Amazonas entwaldet. Etwa 60 Prozent des Regenwaldes liegen auf brasilianischem Staatsgebiet.

Unter dem Rechtspopulisten Jair Bolsonaro, der seit dem 1. Januar 2019 Brasiliens Präsident ist, sind die Abholzungsraten nach Jahren der Reduktion wieder gestiegen. Aktivisten und Indigene haben wegen Bolsonaros Umweltpolitik im Oktober 2021 sogar eine Klageschrift beim Internationalen Strafgerichtshof eingereicht. Rechtsexperten zufolge könnte es allerdings Jahre dauern, bis der IStGH entscheidet, ob er die Klage überhaupt annimmt.

Die Abholzung des Regenwaldes wird anhand von Satellitenbildern von Brasiliens weltweit anerkanntem Weltraumforschungsinstitut INPE überwacht. Demnach ist die jährlich abgeholzte Fläche seit Bolsonaros Amtsübernahme wieder deutlich angestiegen, auf Werte von mehr als 10.000 km², 2021 sogar über 13.000 km². Zuvor hatte es etwa zehn Jahre lang eine Phase mit niedrigeren Abholzungsraten gegeben. Davor wiederum waren die Abholzungsraten jedoch auch schon so hoch wie unter Bolsonaro als Präsident gewesen - teilweise sogar noch deutlich höher. Das betrifft auch die ersten Jahre von Lulas Präsidentschaft, der bei den Wahlen am 2. Oktober Bolsonaros Hauptkonkurrent ist und aktuell mit dem Versprechen von mehr Klima- und Umweltschutz für sich wirbt. 

Erika Bechara, Professorin für Umweltrecht an der Päpstlichen Katholischen Universität von São Paulo (PUC), erklärt: "Es stimmt, dass die Entwaldung im Amazonasgebiet in den 2000er Jahren sehr hoch war. Aber dank des Aktionsplans zur Prävention und Kontrolle der Entwaldung im Amazonasgebiet (PPCDAM) und weiteren Maßnahmen gelang von 2009 bis 2018 ein deutlicher Rückgang. Es war daher enttäuschend zu sehen, wie die Entwaldung wieder explodiert ist. Unter der derzeitigen Regierung hat Rückschritt statt Fortschritt stattgefunden."

Die verheerenden Feuer, die vor allem 2019 und 2020 im Amazonasgebiet wüteten, dürften noch vielen in Erinnerung sein. Die vom INPE registrierten Brände negierte Bolsonaro zeitweise. Er warf dem Forschungsinstitut und Umweltschützern vor, Brasilien schaden zu wollen, lehnte Hilfe aus dem Ausland ab und verpflichtete das Militär erst spät zur Hilfe bei den Löscharbeiten. Dafür erntete Bolsonaro damals massive internationale Kritik. Auch dieser Tage toben im brasilianischen Amazonasgebiet wieder schwere Brände.

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