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Amnesty wirft Impfstoffherstellern Profitgier vor

Amnesty wirft Impfstoffherstellern Profitgier vor

DW
Monday, February 14, 2022 04:54:37 AM UTC

Seit es Impfstoffe gegen COVID-19 gibt, hat die Krankheit für viele ihren Schrecken verloren. Doch das gilt vor allem für reiche Industrieländer. Amnesty sieht die großen Pharmakonzerne in besonderer Verantwortung.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) wirft den Impfstoff-Herstellern Profitgier vor und ruft zu einer deutlich schnelleren Impfung der Weltbevölkerung auf. Bis Ende 2021 hätten nur etwas mehr als vier Prozent der Menschen, die in Ländern mit geringem Pro-Kopf-Einkommen leben, einen vollständigen Impfschutz erhalten, teilte die Organisation in Berlin mit. In Deutschland seien im Vergleich dazu Ende vergangenen Jahres rund 70 Prozent der Bevölkerung zweifach geimpft gewesen.

2021 seien insgesamt zehn Milliarden Corona-Impfstoffdosen produziert worden. Das sei mehr als genug gewesen, um das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu erreichen, 40 Prozent der Weltbevölkerung bis Ende 2021 zu impfen. AI ruft die Konzerne auf, Patente und Technologien freizugeben und das von der WHO ausgegebene Ziel anzustreben, bis Mitte des Jahres 70 Prozent der Weltbevölkerung zu impfen.

Annelen Micus, Expertin für Wirtschaft und Menschenrechte bei Amnesty Deutschland, sprach von einer "enormen Ungerechtigkeit" und einer "ungeheuerlichen" Verletzung von Menschenrechten. Pharmaunternehmen dürften nicht zu Menschenrechtsverletzungen beitragen.

Während Pfizer, BioNTech und Moderna riesige Umsätze gemacht hätten, seien nur zwei Prozent ihrer Impfdosen an ärmere Länder gegangen, heißt es in dem neuen Amnesty-Bericht. Die chinesischen Unternehmen Sinovac und Sinopharm lieferten demnach jeweils nur 0,4 Prozent und 1,5 Prozent ihrer Impfstoffe an Länder mit niedrigem Pro-Kopf-Einkommen. Johnson & Johnson sowie AstraZeneca kommen in dieser Auswertung besser weg, da die Hälfte ihrer Impfdosen an Entwicklungs- und Schwellenländer gegangen sein sollen. Viele der Dosen seien "Spenden" von einkommensstarken Ländern und nicht Teil von Kaufverträgen gewesen.

Wenige Tage vor neuen Beratungen von Bund und Ländern zur Corona-Krise hat der deutsche Corona-Expertenrat seine Einschätzung zu möglichen Lockerungen der Beschränkungen dargelegt. Bedingungen für eine dauerhafte Rücknahme aller staatlich verordneten Corona-Schutzmaßnahmen sind demnach das Erreichen einer hohen Impfquote und dass sich die Bürger "verantwortungsbewusst" verhalten. Das Impfziel der Bundesregierung von 80 Prozent der Bevölkerung ist bisher nicht erreicht.

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