
„Kanzlerpartei heißt nicht, dass wir dem Kanzler hinterherlaufen“
Die Welt
Scholz stellt sich den Jungsozialisten auf dem Bundeskongress. Es ist ein Test dafür, wie der Koalitionsvertrag bei der Basis ankommt. Die Kritik an dem 177-seitigen Werk ist harsch. Aber den Jusos geht es gar nicht um Änderungen an dem Vertrag – sondern um viel mehr.
Am Ende seines Auftritts beim Bundeskongress der Jusos in Frankfurt bekam Olaf Scholz das „Schweriner Manifest“ der Jungsozialisten in die Hand gedrückt, das Grundsatzprogramm mit dem Bekenntnis für einen demokratischen Sozialismus. Und eine rot-weiße Juso-Fahne. „Vielleicht ist für die Platz im Kanzleramt. Dann sind wir immer an deiner Seite, Olaf. Kritisch und solidarisch“, sagte die frisch im Amt bestätigte Juso-Chefin Jessica Rosenthal. Gelächter im Saal, Applaus. „Wir freuen uns, Dich im Bundestag zum Kanzler zu wählen“, schloss die Juso-Vorsitzende.
Das klang versöhnlich. Aber nicht die gesamte Aussprache der SPD-Jugendorganisation mit ihrem Kanzlerkandidaten, der den Zusatz „Kandidat“ in der zweiten Dezemberwoche durch seine Wahl streichen lassen will, war in diesem Ton. Die Jusos gingen mit Scholz zum Teil hart ins Gericht, zerlegten den Koalitionsvertrag. Direkt, offen, mitunter rau. „Was zur Rückführung von Menschen in diesem Vertrag steht, ist schlicht scheiße“, sagte Marco Albers, Co-Chef des Juso-Bezirks Hannover zur Migrationspolitik.

Wie viel Provokation hält die Demokratie aus? Peter Neumann, Professor für Sicherheitsstudien am King’s College in London, verteidigt im WELT-Interview auch radikale und unbequeme Meinungen – und erklärt, warum staatliche Verbote der falsche Weg sind, selbst wenn autoritäre Narrative gezielt gestreut werden.












